Wenn Teilhabe an fehlender Barrierefreiheit scheitert….!

Wenn Teilhabe an fehlender Barrierefreiheit scheitert….!

Kein Plan B bei der DB: Wenn defekte Aufzüge am Kölner HBF Menschen ausgrenzen

 

 

Bahnhöfe wie der Kölner Hauptbahnhof sind zentrale Knotenpunkte unserer Mobilität. Doch was viele nicht sehen: Für Menschen, die auf Aufzüge angewiesen sind, kann ein Ausfall alles zunichtemachen – nicht nur für Freizeitaktivitäten, sondern auch für berufliche Verpflichtungen. Genau das erlebe ich gerade. Und nein, ich bin nicht auf dem Weg zu einem privaten Besuch, sondern zu einem wichtigen Vernetzungstermin mit anderen Coaches, den ich wegen der mangelnden Barrierefreiheit nicht wahrnehmen kann.

Natürlich könnte ich auch mit dem Auto nach Köln fahren. Aber als politisch denkender Mensch ist es mir wichtig, Ressourcen zu schonen und mich möglichst umweltverträglich von A nach B zu bewegen. Deshalb habe ich mich bewusst für den Zug entschieden – und bin jetzt umso frustrierter, dass diese klimafreundliche Option durch mangelnde Barrierefreiheit unbrauchbar wird.

Am Kölner HBF stelle ich fest, dass der Aufzug an meinem Bahnsteig defekt ist. Ich melde mich, um Hilfe zu bekommen, und werde erst einmal sehr lange warten gelassen. Diese Wartezeit ist nervenaufreibend und zeigt, wie wenig selbstverständlich schnelle Unterstützung für mobilitätseingeschränkte Menschen ist. Dabei ist Zeit nicht nur kostbar, sondern in meinem Fall entscheidend: Ein verpasster Termin bedeutet verlorene berufliche Chancen, Imageverlust und möglicherweise finanzielle Einbußen.

Nach geraumer Zeit erscheint ein freundlicher Mitarbeiter der DB und schlägt vor, nach Düsseldorf-Benrath weiterzufahren. Andere Bahnhöfe in Köln seien nicht barrierefrei; ich könne dort auf einem anderen Gleis den Zug zurück nach Köln nehmen. Schon dieser „Umweg“ ist eine Zumutung: zeitaufwendig, umständlich und keineswegs eine gleichwertige Lösung. Doch es wird noch schlimmer: Als ich nach meiner Rückkehr am Kölner Hauptbahnhof ankomme, sind mittlerweile alle anderen Aufzüge ebenfalls defekt. Mir bleibt nichts anderes übrig, als meine Reise abzubrechen und den Weg nach Hause anzutreten. Mein Termin zum „Coach Camp-das Meetup – für mich ein wichtiger Termin, um mein Netzwerk auch offline zu pflegen – ist damit hin.

 

 

 

Aufzugschalterplatte zeigt ein Einbahnstraßensymbol, dies bedeutet "Aufzug defekt"
Rollstuhlfahrer steht vor einem Aufzug und betätigt einen Knopf

Fehlende Alternativen und mangelndes Problembewusstsein

Viele Bahnhöfe entstehen in einer Zeit, in der Barrierefreiheit kein Thema ist. Rampen oder zweite Aufzüge sind nicht vorgesehen, nachträgliche Lösungen scheitern oft an Platzmangel, baulichen Hürden oder finanziellen Bedenken. Noch immer fehlt vielerorts das Bewusstsein, dass Barrierefreiheit kein Luxus ist, sondern ein Menschenrecht.

An zentralen Bahnhöfen wie dem Kölner HBF gibt es bis heute keine durchdachten Notfallkonzepte. Weder geschultes Hilfspersonal, das proaktiv unterstützt, noch barrierefreie Ersatzwege oder kurzfristig organisierbare Shuttle-Möglichkeiten stehen zur Verfügung. Für Reisende ohne Behinderung ist ein Bahnsteigwechsel oft eine Sache von wenigen Minuten – für Menschen mit Behinderung wird dieselbe Situation schnell zur unüberwindbaren Barriere.

 

 

Warum passiert nichts?

Es ist erschreckend, dass Barrierefreiheit vielerorts noch immer als „nice to have“ betrachtet wird und nicht als Grundvoraussetzung für eine inklusive Gesellschaft. Sie ermöglicht Menschen, selbstbestimmt am Berufs- und Sozialleben teilzuhaben – oder schließt sie aus, wenn sie fehlt. Immer wieder verweisen Verantwortliche auf „laufende Planungen“, doch konkrete Verbesserungen lassen oft jahrelang auf sich warten. Die Instandhaltung von Aufzügen wird zwar priorisiert, aber Ersatzaufzüge oder alternative Lösungen fehlen. Hinzu kommen komplizierte Zuständigkeiten zwischen Bahnunternehmen, Bund, Ländern und Kommunen, die dazu führen, dass Verantwortung hin- und hergeschoben wird, anstatt Lösungen voranzubringen.

Auch die Kommunikation ist ein großes Problem: Informationen über defekte Aufzüge kommen häufig verspätet oder gar nicht, in Apps oder Durchsagen fehlen sie oft komplett. Für Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, ist das ein echtes Desaster.

 

Verwaister Bahnsteig

Die sozialen und beruflichen Folgen

Die sozialen und beruflichen Folgen solcher Situationen sind enorm. Wenn Geschäftstermine durch defekte Aufzüge platzen, verlieren Menschen mit Behinderung Chancen in Bewerbungsprozessen, beim Netzwerken oder bei wichtigen Gesprächen mit Kund*innen. Schon ein einzelner Aufzugsausfall kann dazu führen, dass Menschen mit Behinderung nicht zu privaten, beruflichen oder kulturellen Veranstaltungen gelangen und spontane Teilhabe unmöglich wird. Wer mehrfach erlebt, dass Bahnreisen scheitern, zieht sich irgendwann frustriert zurück, was zu sozialer Isolation führt und die Lebensqualität erheblich einschränkt. Die ständige Angst vor einem Ausfall – die Frage „Geht der Aufzug heute?“ – erzeugt massiven Stress, Hilflosigkeit und das Gefühl, anderen zur Last zu fallen. Solche Barrieren senden letztlich ein fatales Signal: „Deine Teilhabe ist nicht wichtig.“ Sie prägen das Bild von Menschen mit Behinderung als Ausnahmefall statt als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft.

 

 

 

Frau im Rollstuhl mit traurigem Blick in einem abgedunkelten Raum

Was sich ändern muss!

Barrierefreiheit darf kein Extra sein, sondern muss grundlegender Bestandteil unserer Infrastruktur sein, insbesondere an großen Bahnhöfen wie dem Kölner HBF. Es braucht verbindliche Notfallkonzepte, zum Beispiel barrierefreie Shuttles oder schnell verfügbare mobile Rampen, und geschultes Personal, das weiß, wie es in solchen Situationen schnell helfen kann. Investitionen in redundante Aufzüge oder alternative Wege, wie barrierefreie Seiteneingänge oder Rampensysteme, sind ebenso unerlässlich wie eine Kommunikation in Echtzeit, die es Betroffenen ermöglicht, rechtzeitig auf Ausfälle zu reagieren. Vor allem aber braucht es einen Kulturwandel: Barrierefreiheit muss als selbstverständliches Grundrecht verstanden werden und darf nicht länger als optionale Aufgabe gelten, die bei Engpässen einfach hinten runterfällt.

 

Techniker, der Aufzug repariert

Barrierefreiheit nützt allen

Barrierefreie Bahnhöfe sind keine Sonderlösungen für wenige, sondern ein Gewinn für alle. Menschen mit Kinderwagen, ältere Menschen oder Reisende mit schwerem Gepäck profitieren ebenso. Sie ermöglichen spontane und flexible Mobilität, was jeder Stadt und der gesamten Gesellschaft zugutekommt.

Wenn die DB keinen Plan B hat, werden Menschen ausgeschlossen – beruflich und gesellschaftlich. Es ist höchste Zeit, Barrierefreiheit als unverzichtbaren Teil der Infrastruktur zu verstehen und konsequent umzusetzen, um Menschen echte Teilhabe zu ermöglichen. Denn wer Barrieren abbaut, baut Brücken – für ein selbstverständliches, gleichberechtigtes Miteinander. 💪

 

Ein Schriftzug

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London Calling – Ich fahre hin. Und nehme viel mit zurück. Ein Reisebericht mit Perspektive

London Calling – Ich fahre hin. Und nehme viel mit zurück. Ein Reisebericht mit Perspektive

Mitten im geschehen

Die Wachablösung am Buckingham Palace war eindrucksvoll. Viel Zeremonie, viele Menschen – und ein klar abgegrenzter, gut sichtbarer barrierefreier Bereich, in dem ich einfach Teil des Ganzen sein konnte. Kein Gedränge, kein Mitleid. Stattdessen: gute Sicht und eine entspannte Atmosphäre. Wer wie ich darauf angewiesen ist, die Umgebung im Sitzen wahrzunehmen, weiß diese Art von Zugänglichkeit besonders zu schätzen. Es geht dabei nicht nur um Sichtachsen, sondern um die Frage: Werde ich mitgedacht oder übersehen?

Auch beim Verlassen des Geländes hatte ich Zeit, die Menschen um mich herum zu beobachten. Viele wollten nur das Foto – die Inszenierung. Ich hingegen nahm die Details wahr: das leichte Klirren von Metall, das Lächeln eines kleinen Kindes, die Art, wie Uniform und Tradition auf Neugier trafen. In solchen Momenten wird mir bewusst, wie anders ich unterwegs bin. Nicht nur wegen meines Rollstuhls, sondern weil ich Räume und Situationen anders wahrnehme. Vielleicht auch, weil ich gelernt habe, nicht alles für selbstverständlich zu halten – und gleichzeitig genau dafür zu kämpfen: für mehr Selbstverständlichkeit.

Ganz anders der Moment in der Westminster Cathedral. Ich gehe hinein, lasse das Gewölbe auf mich wirken. Keine Menschenmassen, keine Worte. Nur Ruhe. Und in dieser Ruhe spüre ich: Ich muss nichts leisten. Ich darf einfach da sein. Solche Orte fehlen uns oft im Alltag. Orte, die nicht erklären, sondern einladen. Der Besuch wurde zu einer unerwarteten Pause vom Tempo der Stadt – und gerade deshalb besonders.

 

 

Ein Rollstuhl macht mobil-nicht starr
Westminster Abbey
Frau in der Hocke am Boden sitzend

Vor der Legende – die Abbey Road

Ich war in der Abbey Road – aber nicht wegen des berühmten Zebrastreifens. Ich habe kein Foto gemacht, wie ich über die Straße fahre, so wie es viele Tourist*innen tun. Stattdessen blieb ich vor dem Abbey Road Shop stehen – genauer gesagt: vor der Zeittafel, die die Geschichte dieses weltberühmten Studios erzählt. Für mich war das der eigentliche Moment. Nicht das ikonische Bild, sondern die Erinnerung daran, dass hier von „The Beatles“ Musikgeschichte geschrieben wurde – und zwar über Jahrzehnte hinweg.

Es war ruhig an diesem Nachmittag. Während andere sich für das berühmte Foto am Zebrastreifen positionierten, las ich. Und dachte nach. Was bedeutet es, Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst – auch wenn man nur für einen Moment vorbeikommt? Die Zeittafel erinnerte mich daran, dass vieles, was wir feiern, auch Raum braucht: für Stille, für Hintergrund, für Geschichte. Und dass man manchmal abseits des Spektakels genau die Tiefe findet, nach der man eigentlich sucht.

Kultur erleben – ohne Umwege

Ein weiteres Highlight war der Abend im Royal Opera House: Carmen. Großartige Stimmen, große Emotion – und: barrierefreier Zugang. Kein Suchen, kein Hintereingang, sondern ein Platz im Raum, auf Augenhöhe mit dem Geschehen. Kultur für alle – ganz konkret. Ich erlebte nicht nur die Oper, sondern auch, wie Organisation und Haltung zusammenspielen. Personal, das nicht belehrt, sondern begleitet, macht einen riesigen Unterschied.

Auch mein Besuch im Ronnie Scott’s Jazz Club bleibt unvergesslich. Die mobile Rampe, die fix am Haupteingang installiert wurde. Der Sound, , die Selbstverständlichkeit, mit der ich willkommen war – all das passte.. Kein Bonus. Einfach Respekt. Und das reicht völlig. Wer inklusive Gastfreundschaft erleben will, muss nicht in ein ‚Spezialprogramm‘ – manchmal reicht ein Ort, der wirklich offen ist.

Royal Opera

Alltag als Gradmesser

Covent Garden laut, lebendig, vielseitig. Zwischen Straßenmusik, improvisierten Auftritten und Tourist*innen mit Kameras blieb ich stehen, ließ mich treiben, schaute zu. Kein besonderer Moment, keine große Erkenntnis – aber einer dieser Tage, an denen einfach alles ineinandergreift. Ich war unterwegs, habe gegessen, mich treiben lassen – und war genau da, wo ich sein wollte.

Der Platz mit seinen großformatigen Pflastersteinen hatte es allerdings in sich. Ich musste schon aufpassen, nicht auf die Nase zu fallen. Für Rollstuhlnutzende keine Kleinigkeit – aber auch nichts, was mich ausgebremst hätte. Ich passe mich an, schiebe nach, halte gegen – wie so oft.

Was auffällt, wenn man viel unterwegs ist: wie Orte gestaltet sind. Ob man durchkommt, ob man bleiben kann, ob man gesehen wird – nicht als Ausnahme, sondern als jemand, der dazugehört, weil er eben da ist. In London hatte ich oft das Gefühl: Hier wurde mitgedacht. Nicht mehr und nicht weniger.

Darum geht es für mich bei Inklusion: nicht um Aufmerksamkeit, nicht um Sonderwege – sondern um Alltag, der für viele funktioniert. Ohne es zu betonen.

Covent Garden

Bewegung in die richtige Richtung

Und dann: die roten Busse. Ich bin viel gefahren – und jedes Mal war es unkompliziert. Rampe raus, Einstieg freundlich, kein großes Tamtam. Fast alle Busse in London sind barrierefrei – und zwar so selbstverständlich, dass es auffällt. Im besten Sinne. Genau so stelle ich mir Teilhabe vor – nicht nur im Verkehr, sondern auch im Berufsleben. Es geht nicht darum, jedes Hindernis zu beklagen. Es geht darum, Lösungen zur Normalität zu machen. Der öffentliche Raum zeigt, wie sichtbar Haltung wird – oder eben nicht. Wenn technische Lösungen mit menschlicher Freundlichkeit zusammentreffen, entstehen Räume, die wirklich offen sind.

Was mir besonders auffiel: Die Fahrer*innen warteten, bis ich sicher eingestiegen war. Niemand drängelte, niemand rollte mit den Augen. Es war einfach Teil des Ablaufs. Diese Selbstverständlichkeit macht viel aus. Nicht, weil sie spektakulär ist – sondern weil sie in der Routine sichtbar wird. Und genau da zeigt sich Haltung: nicht im großen Auftritt, sondern im täglichen Tun.

 

 

London Bus
Grauzone

Was bleibt?

London ist nicht perfekt. Aber es zeigt: Es geht anders. Es geht inklusiver. Und das wirkt. Auf die Haltung. Auf das Miteinander. Aufs Lebensgefühl. Mir wurde auf dieser Reise erneut bewusst, wie stark uns Strukturen prägen – und wie befreiend es ist, wenn sie endlich einmal funktionieren.

Wenn du dir mehr Klarheit, neue Perspektiven oder einfach jemanden an deiner Seite wünschst, der dir nicht sagt, wie es geht – sondern mit dir den Raum öffnet, in dem du es selbst herausfindest: Ich bin da.

Ich begleite Menschen mit und ohne Behinderung – strukturiert, zugewandt, mit Humor und ohne Umwege.

Was mir besonders auffiel: Die Fahrer*innen warteten, bis ich sicher eingestiegen war. Niemand drängelte, niemand rollte mit den Augen. Es war einfach Teil des Ablaufs. Diese Selbstverständlichkeit macht viel aus. Nicht, weil sie spektakulär ist – sondern weil sie in der Routine sichtbar wird. Und genau da zeigt sich Haltung: nicht im großen Auftritt, sondern im täglichen Tun.

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