Inklusion: Hinsehen, Wahrnehmen und Verstehen

Inklusion: Hinsehen, Wahrnehmen und Verstehen

Inklusion: Hinsehen, Wahrnehmen und Verstehen

Vor Kurzem hörte ich den Song „Alla Mia Età“ von Tiziano Ferro nach einer langen Zeit wieder. Und er hat mich gleich wieder erreicht.

Es ist ein Lied, das von inneren Kämpfen, Unsicherheiten und der Suche nach Authentizität erzählt. Dieses Mal regte es mich dazu an, über Inklusion nachzudenken – darüber, was es bedeutet, wirklich gesehen zu werden, und wie oft Menschen hinter äußeren Fassaden unsichtbar bleiben.

Inklusion ist für mich mehr als ein gesellschaftliches Ziel. Sie ist eine Haltung, die fordert, über das Offensichtliche hinauszusehen. Es geht darum, Menschen in ihrer Vielfalt wahrzunehmen und Barrieren abzubauen – nicht nur physische Hindernisse, sondern auch die sozialen und gedanklichen, die echte Teilhabe verhindern. Dieser Gedanke zieht sich durch meine Arbeit und mein Leben. Der Song von Tiziano Ferro wurde dabei zum Anstoß, diese Themen in einem neuen Licht zu betrachten.

Notizbuch mit leeren Seiten und einem Kugelschreiber
Ein Mann betrachtet sich kritisch vor einem Spiegel

Die Fassade und das, was dahinterliegt

 

 

 

„Ich bin ein großer Lügner, während ich Heiterkeit heuchle.“
(„Sono un grande bugiardo, mentre fingo serenità.“)

Diese Zeile erinnert mich an viele Erfahrungen in meinem Leben. Als junger Mensch wollte ich vor allem dazugehören und zeigen, dass ich genauso leistungsfähig bin wie andere. Ich fühlte mich oft gezwungen, Stärke zu zeigen, auch wenn ich innerlich mit Unsicherheiten kämpfte.

Für viele Menschen mit Behinderung ist die äußere Fassade ein Schutzmechanismus. Sie wird zur Abwehr gegenüber Vorurteilen, die häufig an äußeren Merkmalen hängenbleiben. Der Rollstuhl wird oft zum Symbol, das alles andere überstrahlt – die Persönlichkeit, die Erfahrungen und die Fähigkeiten, die uns als Menschen ausmachen.

Inklusion bedeutet, hinter diese Fassade zu blicken. Sie fordert uns auf, den Menschen als Ganzes zu sehen, mit allem, was ihn ausmacht. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, sich zu verstellen, um akzeptiert zu werden.

Zwei Menschen, die sich tief in die Augen blicken

Von Sympathie zu Respekt

 

 

 

„Du bist sehr misstrauisch, während du Sympathie vorgibst.“
(„Sei molto sospettoso, mentre fingi simpatia.“)

Viele Menschen mit Behinderung kennen Situationen, in denen sie auf gut gemeinte, aber oberflächliche Sympathie stoßen. Sätze wie „Das finde ich bewundernswert“ oder „Wie schaffen Sie das nur?“ mögen nett gemeint sein, lenken aber die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Behinderung. Sie übersehen die Person und verstärken den Eindruck von „Anderssein“.

Echte Inklusion geht über diese oberflächlichen Gesten hinaus. Sie erfordert Respekt, der aus echtem Interesse erwächst. Respekt zeigt sich im Zuhören, im Fragen und im Hinterfragen eigener Annahmen. Es bedeutet, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie nicht durch die Brille von Vorurteilen oder Stereotypen zu betrachten.

Unsichtbar und doch da

 

 

„Und niemand hat es bemerkt.“
(„E nessuno se n’è accorto.“)

Dieses Gefühl kennen viele Menschen mit Behinderung. Es passiert, wenn sie mit anderen verwechselt werden, wenn ihre Fähigkeiten ignoriert werden oder wenn sie schlichtweg übersehen werden. Der Fokus liegt oft auf dem Offensichtlichen – dem Rollstuhl, der Einschränkung – während die Persönlichkeit in den Hintergrund rückt.

Inklusion bedeutet, Unsichtbarkeit zu durchbrechen. Es reicht nicht, Menschen irgendwo „dabeisein“ zu lassen. Es geht darum, sie aktiv einzubeziehen, ihnen Raum zu geben, ihre Perspektiven einzubringen, und dafür zu sorgen, dass diese Perspektiven gehört und geschätzt werden.

Eine Gruppe von Menschen, die aber mit sich selbst beschäftigt sind. Eine Person im Vordergrund verschränkt die Arme, blickt traurig in die Kamera
Mehrere Hände kommen zusammen und berühren sich

Inklusion als verbindendes Element

 

 

 

 

„Wie ein Erdbeben in einer Wüste, dass alles einstürzt, und ich bin tot.“
(„Come un terremoto nel deserto, che tutto crolla, e io sono morto.“)

Barrieren können sich anfühlen wie ein Erdbeben, das alles ins Wanken bringt. Sie zerstören Möglichkeiten und verstärken das Gefühl von Isolation. Diese Barrieren sind nicht nur physischer Natur – wie unzugängliche Räume oder fehlende Hilfsmittel –, sondern auch gesellschaftlicher Art: Vorurteile, Stereotype und starre Strukturen verhindern oft echte Teilhabe.

Doch Barrieren lassen sich abbauen. Inklusion bedeutet, diese Hindernisse nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sie aktiv zu hinterfragen und zu verändern. Sie verbindet Menschen, schafft Begegnungen und zeigt, dass Vielfalt eine Stärke ist.

Musik hat eine ähnliche Kraft. Sie spricht universelle Gefühle an und baut Brücken zwischen Menschen. Ein Lied wie „Alla Mia Età“ erinnert daran, wie wichtig es ist, authentisch zu sein und Räume zu schaffen, in denen diese Authentizität gelebt werden kann.

Zeit, Inklusion zu leben

 

 

 

Inklusion ist keine Kür, sondern eine Notwendigkeit. Sie verlangt nicht Perfektion, sondern den Mut, Barrieren zu hinterfragen und echte Veränderungen anzustoßen. Sie beginnt im Kleinen: in einem Gespräch, in einer Begegnung, in der bewussten Entscheidung, zuzuhören und hinzusehen.

Der Song von Tiziano Ferro erinnerte mich daran, wie oft wir Menschen auf ihre Fassaden reduzieren. Doch Inklusion fordert mehr. Sie lädt uns ein, die Geschichten hinter der Oberfläche zu entdecken und Menschen in ihrer Vielfalt zu sehen.

Wenn wir bereit sind, diese Haltung einzunehmen, können wir eine Gesellschaft schaffen, in der niemand unsichtbar bleibt. Und genau dafür setze ich mich ein.

 

Mehrere Hände kommen zusammen und berühren sich

Lass uns sprechen

Du hast Fragen oder möchtest dein Thema persönlich besprechen?
Buche dir jetzt kostenlos einen Termin für einen Video-Call über meinen Kalender.

Du kannst mir auch jederzeit eine E-Mail schreiben an info@gemeinsaminklusiv-thomasspitzer.de
Ich freue mich auf deine Nachricht.

Unsichtbare Barrieren: Was der DAK-Psychreport 2024 über psychische Gesundheit am Arbeitsplatz enthüllt

Unsichtbare Barrieren: Was der DAK-Psychreport 2024 über psychische Gesundheit am Arbeitsplatz enthüllt

Unsichtbare Barrieren: Was der DAK-Psychreport 2024 über psychische Gesundheit am Arbeitsplatz enthüllt 

Der DAK-Psychreport 2024 zeigt in eindrücklichen Zahlen, wie dringend das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz behandelt werden muss. Doch für mich ist dieses Thema weit mehr als eine Statistik – es ist ein zentraler Baustein von Inklusion und eine Herausforderung, die wir nicht länger ignorieren dürfen. 

Warum nehme ich dieses Thema auf? Weil ich in meiner Arbeit als Coach und Berater für Inklusion immer wieder sehe, wie groß die Unsicherheiten rund um psychische Beeinträchtigungen sind. Unternehmen sprechen viel über Diversität, doch psychische Gesundheit bleibt oft der blinde Fleck in diesen Diskussionen. Das führt nicht nur zu Missverständnissen, sondern auch dazu, dass Menschen sich in ihrem Arbeitsumfeld nicht sicher oder gesehen fühlen. 

Inklusion bedeutet, Barrieren abzubauen – auch die unsichtbaren. Während körperliche Barrierefreiheit in vielen Organisationen mittlerweile ein zentrales Thema ist, bleibt die psychische Gesundheit oft eine „individuelle Angelegenheit“. Doch das ist sie nicht. Sie betrifft Teams, Führungskräfte und ganze Unternehmen. Jeder Mensch kann in seinem Leben mit psychischen Belastungen konfrontiert werden, sei es durch beruflichen Druck, private Herausforderungen oder gesundheitliche Krisen. 

Mich persönlich bewegt das Thema, weil ich weiß, wie viel Potenzial verloren geht, wenn Menschen sich aufgrund von psychischen Belastungen zurückziehen oder nicht die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Dabei sind es oft keine großen Maßnahmen, die den Unterschied machen, sondern kleine, bewusste Schritte: ein offenes Ohr, ein verständnisvoller Umgang oder die Möglichkeit, Arbeitsbedingungen individuell anzupassen. 

Ein Kopf im Profil, auf den Teile eines Puzzles fallen
Ein Mensch, sitzend, etwas gebeugt, die Hände zur Raute gefaltet. Ihm gegenüber eine nicht sichtbare Person, die offensichtlich eine Kladde und einen Stift hält

Erkenntnisse aus dem DAK-Psychreport 

Mit einer Steigerung der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen um 52 % in nur einem Jahrzehnt zeigt er, wie gravierend das Problem ist. Im Jahr 2023 fielen durchschnittlich 323 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherte aufgrund psychischer Erkrankungen an – ein Rekordwert. Besonders stark betroffen sind Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen: Altenpfleger*innen verzeichnen mit 534 AU-Tagen je 100 Versicherte die höchsten Werte. 

Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Psychische Erkrankungen sind keine Randerscheinung, sondern eine zentrale Herausforderung der modernen Arbeitswelt. Sie betreffen nicht nur Einzelpersonen, sondern auch die Teams, die Unternehmen und die gesamte Gesellschaft. 

Psychische Gesundheit: Ein Tabuthema mit Folgen 

Hinter den Zahlen des Psychreports stehen Menschen. Menschen, die oft nicht über ihre Belastungen sprechen, weil sie Angst vor Stigmatisierung oder beruflichen Nachteilen haben. Das Schweigen hat Konsequenzen: Mitarbeitende kämpfen im Stillen, verlieren an Leistungsfähigkeit oder fallen ganz aus. Gleichzeitig entstehen Spannungen im Team und hohe Kosten für die Unternehmen. 

Die Ursache liegt oft in der Unternehmenskultur. Psychische Gesundheit wird zu selten als Teil der Fürsorgepflicht verstanden. Dabei ist klar: Wenn wir psychische Beeinträchtigungen nicht ernst nehmen, verlieren wir nicht nur wertvolle Mitarbeitende, sondern auch das Vertrauen und die Zufriedenheit in den Teams. 

Eine weibliche Person, die im Schatten steht und die Arme Richting Sonne reckt

Praktische Ansätze für eine gesündere Arbeitswelt 

Ein erster Schritt ist, psychische Gesundheit als Thema in den Arbeitsalltag zu integrieren. Unternehmen sollten Plattformen schaffen, auf denen offen über mentale Belastungen gesprochen werden kann, sei es in Form von Sensibilisierungsworkshops, internen Kampagnen oder regelmäßigen Gesprächen. Dabei geht es nicht nur um das Vermitteln von Fakten, sondern auch um die Förderung einer Kultur der Empathie und des Verständnisses. 

Besonders wichtig ist die Rolle der Führungskräfte. Sie sind oft die ersten, die mit den Herausforderungen ihrer Mitarbeitenden konfrontiert werden. Daher brauchen sie Schulungen, um frühzeitig psychische Belastungen zu erkennen und sensibel darauf zu reagieren. Gleichzeitig sollten sie ihre eigene psychische Gesundheit reflektieren können. Denn eine Führungskraft, die ihre Belastungsgrenzen kennt, trägt nicht nur zu ihrem eigenen Wohlbefinden bei, sondern ist auch ein Vorbild für das gesamte Team. 

Flexibilität im Arbeitsalltag ist ein weiterer Schlüssel. Individuelle Lösungen wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder die Möglichkeit, sich bei Bedarf Auszeiten zu nehmen, sind keine „Extras“, sondern essenziell für eine gesunde Arbeitskultur. Solche Maßnahmen helfen nicht nur Betroffenen, sondern schaffen auch eine Atmosphäre des Vertrauens und der Wertschätzung. 

Schließlich sollten Unternehmen niedrigschwellige Unterstützungsangebote bereitstellen. Dazu gehören anonyme Beratungsangebote, die Kooperation mit externen Expert*innen oder die Einrichtung interner Ansprechpersonen. Wichtig ist, dass Mitarbeitende und Führungskräfte wissen, dass Hilfe nicht nur verfügbar ist, sondern auch leicht zugänglich – ohne, dass sie sich rechtfertigen müssen. 

Offenheit ist der letzte und vielleicht wichtigste Punkt. Führungskräfte, die transparent über ihre eigenen Belastungen sprechen, setzen ein starkes Signal. Sie zeigen, dass es in Ordnung ist, Herausforderungen zu haben und sich Unterstützung zu holen. Diese Vorbildfunktion kann eine Unternehmenskultur nachhaltig verändern und das Stigma, das psychischen Erkrankungen oft anhaftet, abbauen. 

Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Psychische Erkrankungen sind keine Randerscheinung, sondern eine zentrale Herausforderung der modernen Arbeitswelt. Sie betreffen nicht nur Einzelpersonen, sondern auch die Teams, die Unternehmen und die gesamte Gesellschaft. 

Warum 2025 der Wendepunkt sein muss 

Der DAK-Psychreport hat uns die Dringlichkeit des Themas deutlich vor Augen geführt. Doch die Verantwortung liegt bei uns: Wir müssen aus den Erkenntnissen Taten folgen lassen. 2025 kann das Jahr werden, in dem psychische Gesundheit endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. 

Unternehmen, die jetzt handeln, setzen ein starkes Zeichen: Sie zeigen, dass sie ihre Mitarbeitenden nicht nur als Leistungsträger*innen sehen, sondern als Menschen. Das ist nicht nur ein moralischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil. Zufriedene und gesunde Mitarbeitende sind kreativer, engagierter und belastbarer – und stärken damit das Unternehmen. 

Ein Blick nach vorn 

Die Zahlen aus dem DAK-Psychreport sind erschreckend, aber sie zeigen auch eine Richtung auf. Jeder kleine Schritt, der unternommen wird, hat das Potenzial, große Veränderungen zu bewirken – für jeden Einzelnen und die gesamte Organisation. 

Psychische Gesundheit darf nicht länger ein Thema sein, das im Schatten steht. Sie gehört ins Zentrum unserer Arbeitskultur. 2025 kann das Jahr sein, in dem wir endlich beginnen, unsichtbare Barrieren am Arbeitsplatz sichtbar zu machen und sie systematisch abzubauen. 

Mehr Informationen findest Du im DAK-Psychreport 2024 unter dak.de. 

Der DAK-Psychreport hat uns die Dringlichkeit des Themas deutlich vor Augen geführt. Doch die Verantwortung liegt bei uns: Wir müssen aus den Erkenntnissen Taten folgen lassen. 2025 kann das Jahr werden, in dem psychische Gesundheit endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. 

Unternehmen, die jetzt handeln, setzen ein starkes Zeichen: Sie zeigen, dass sie ihre Mitarbeitenden nicht nur als Leistungsträger*innen sehen, sondern als Menschen. Das ist nicht nur ein moralischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil. Zufriedene und gesunde Mitarbeitende sind kreativer, engagierter und belastbarer – und stärken damit das Unternehmen. 

 

Mehr Informationen finden Sie im DAK-Psychreport 2024 unter dak.de. 

Lass uns sprechen

Du hast Fragen oder möchtest dein Thema persönlich besprechen?
Buche dir jetzt kostenlos einen Termin für einen Video-Call über meinen Kalender.

Du kannst mir auch jederzeit eine E-Mail schreiben an info@gemeinsaminklusiv-thomasspitzer.de
Ich freue mich auf deine Nachricht.

Wokeness: Ein Begriff zwischen Missverständnissen und Chancen für Inklusion und Diversity

Wokeness: Ein Begriff zwischen Missverständnissen und Chancen für Inklusion und Diversity

Wokeness: Ein Begriff zwischen Missverständnissen und Chancen für Inklusion und Diversity

In den letzten Jahren ist der Begriff „Wokeness“ immer mehr ins Zentrum gesellschaftlicher Debatten gerückt. Ursprünglich aus der afroamerikanischen Community stammend, steht er für das Bewusstsein und die Sensibilität gegenüber sozialen Ungerechtigkeiten. Doch wie so oft mit Schlagworten, wurde auch „Wokeness“ zum Politikum: Für die einen ist es ein Ausdruck progressiven Denkens, für die anderen ein rotes Tuch.

Gerade in den Bereichen Inklusion und Diversity zeigt sich, wie wichtig es ist, die Kernidee von „Wokeness“ nicht aus den Augen zu verlieren. Inklusion bedeutet, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, gleichberechtigt an der Gesellschaft teilzuhaben. Diversity geht einen Schritt weiter und betrachtet die Stärke, die aus der Vielfalt entsteht – sei es im Arbeitsleben, in der Bildung oder im sozialen Miteinander. Doch wo begegnen sich diese Prinzipien und die Idee der „Wokeness“?

Ausschnitt aus dem Wörterbuch zum Begriff "woke!
Drei Begriffe untereinander Diversity, Equality, Inclusion

Die Verbindung zwischen Wokeness und Inklusion

Woke“ zu sein, heißt, hinzusehen. Es bedeutet, Vorurteile und strukturelle Barrieren zu erkennen – und das ist der erste Schritt zu einer inklusiven Gesellschaft. Nehmen wir das Beispiel Behinderung: Oft bleiben Barrieren unsichtbar, bis man selbst oder jemand Nahestehendes betroffen ist. Rollstuhlgerechte Zugänge, barrierefreie Websites oder inklusive Personalpolitik sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern erfordern genau dieses bewusste Hinsehen.

Doch „Wokeness“ allein reicht nicht aus. Sie ist die Grundlage, doch der nächste Schritt ist das Handeln. Und hier liegt die Chance: Wenn Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Behörden nicht nur über Diversity sprechen, sondern aktiv Maßnahmen umsetzen, wird aus einer Haltung eine nachhaltige Praxis.

 

Warum mich das Thema beschäftigt

Als Mensch, der selbst mit einer angeborenen Behinderung lebt, kenne ich die Herausforderungen einer nicht inklusiven Gesellschaft aus erster Hand. Meine persönliche und berufliche Reise hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, für Sensibilität und Bewusstsein zu kämpfen, um echte Veränderungen zu bewirken. Ich sitze seit Geburt im Rollstuhl und musste früh lernen, mit Vorurteilen und strukturellen Hürden umzugehen. Heute bin ich Ausbildungsleiter in einer obersten Bundesbehörde und begleite als Coach Unternehmen und Einzelpersonen auf ihrem Weg zu mehr Inklusion.

In meiner Arbeit geht es nicht nur darum, Barrieren zu benennen, sondern konkrete Lösungen zu entwickeln. Ich erlebe täglich, wie befreiend es für Teams und Organisationen ist, wenn sie sich für Vielfalt öffnen. Es sind diese Erfahrungen und die Überzeugung, dass jeder Mensch das Potenzial hat, die Gesellschaft zu bereichern, die mich antreiben. Wenn ich über Wokeness, Inklusion und Diversity spreche, dann nicht, weil es Modewörter sind, sondern weil sie einen tiefen persönlichen Bezug zu meinem Leben haben.

 

 

Barrieren überwinden
Kritik und Chance

Kritik und Chancen

Die Kritik an „Wokeness“ kommt oft aus der Sorge heraus, es ginge nur noch um politische Korrektheit oder ein Überbetonen von Themen. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Es geht nicht darum, alles durch eine moralische Brille zu bewerten, sondern vielmehr darum, sensibel für strukturelle Ungerechtigkeiten zu sein.

Im Bereich Inklusion und Diversity zeigt sich, dass Sensibilität für Themen wie Gendergerechtigkeit, Barrierefreiheit oder kulturelle Vielfalt keine Selbstverständlichkeit ist. Doch genau hier kann Wokeness Brücken bauen: Sie erinnert uns daran, dass keine Gruppe vergessen werden darf und dass Vielfalt keine Last, sondern ein Gewinn ist.

Diese Spiele sind ein klarer Aufruf, nicht nur Barrieren abzubauen, sondern auch eine Gesellschaft zu schaffen, in der jeder Mensch das Recht hat, erfolgreich zu sein. Der Erfolg eines Menschen sollte nicht daran gemessen werden, wie gut er sich an gesellschaftliche Normen anpasst, sondern wie gut er seine individuellen Stärken entfaltet. Die Paralympics haben uns eine Vision von einer Zukunft gegeben, in der Vielfalt gefeiert und als Quelle des Erfolgs anerkannt wird. 

Diese Spiele führten vor Augen, dass Erfolg nicht allein daran gemessen werden sollte, wie perfekt man sich in ein vorgegebenes gesellschaftliches Bild einfügt. Stattdessen geht es darum, wie Menschen Hindernisse überwinden und ihre individuellen Fähigkeiten nutzen. Die Athlet*innen, wie etwa die italienische Fechterin Bebe Vio oder der deutsche Sprintstar David Behre, zeigen, dass körperliche Einschränkungen keine Grenzen setzen – solange es Strukturen gibt, die es ermöglichen, dass jeder sein Potenzial ausschöpfen kann. 

Zusammenarbeit

Ein Blick in die Praxis

In meinem beruflichen Alltag als Coach und Berater für Inklusion erlebe ich immer wieder, wie entscheidend Sensibilität für den Erfolg von Teams und Unternehmen ist. Inklusion ist keine Wohltätigkeit, sondern eine Investition in eine bessere Arbeits- und Lebenswelt. Wenn ich Unternehmen berate, ist es oft eine Mischung aus Aufklärung und praktischen Handlungsschritten: Welche Barrieren gibt es? Wo kann konkret angesetzt werden? Und wie profitieren alle davon?

Ein gutes Beispiel ist der Arbeitsmarkt: Laut Studien haben 63 Prozent aller Menschen mit Behinderung in Deutschland eine gute Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen. Dennoch finden viele von ihnen keinen passenden Arbeitsplatz. Diese Ressourcen ungenutzt zu lassen, ist nicht nur wirtschaftlich unsinnig, sondern widerspricht auch dem Gedanken von Diversity.

Diese Spiele führten vor Augen, dass Erfolg nicht allein daran gemessen werden sollte, wie perfekt man sich in ein vorgegebenes gesellschaftliches Bild einfügt. Stattdessen geht es darum, wie Menschen Hindernisse überwinden und ihre individuellen Fähigkeiten nutzen. Die Athlet*innen, wie etwa die italienische Fechterin Bebe Vio oder der deutsche Sprintstar David Behre, zeigen, dass körperliche Einschränkungen keine Grenzen setzen – solange es Strukturen gibt, die es ermöglichen, dass jeder sein Potenzial ausschöpfen kann. 

Gemeinsam handeln

Eine Einladung zum Handeln

„Wokeness“ ist kein Schimpfwort, sondern eine Einladung, genauer hinzusehen. Es erfordert Mut, eigene Denkmuster zu hinterfragen und Barrieren zu erkennen – ob sichtbar oder unsichtbar. Doch genau hier liegt die Chance: Inklusion und Diversity sind keine Gegensätze zu wirtschaftlichem Erfolg oder gesellschaftlichem Fortschritt. Sie sind der Motor dafür.

Es liegt an uns allen, aus dem Bewusstsein für Ungerechtigkeiten konkrete Maßnahmen abzuleiten. Wenn aus einem vermeintlichen Schlagwort wie „Wokeness“ eine Haltung wird, können Brücken gebaut werden – für eine Gesellschaft, in der jede und jeder ihren und seinen Platz findet. Lassen wir uns davon inspirieren, die Welt nicht nur als gegeben hinzunehmen, sondern aktiv zu gestalten und Vielfalt als Stärke zu begreifen.

 

In einer inklusiven Arbeitswelt erkennen Unternehmen, dass Diversität und Barrierefreiheit nicht nur ethische Ziele sind, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Studien zeigen, dass diverse Teams kreativer und produktiver sind. Inklusion bedeutet hier, flexible Arbeitsumgebungen zu schaffen, in denen Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen arbeiten und wachsen können. Der Weg dorthin führt über den Abbau von Vorurteilen, die Förderung von Vielfalt und die Schaffung von Räumen, in denen alle Menschen ihre Stärken einbringen können. 

Diese Spiele sind ein klarer Aufruf, nicht nur Barrieren abzubauen, sondern auch eine Gesellschaft zu schaffen, in der jeder Mensch das Recht hat, erfolgreich zu sein. Der Erfolg eines Menschen sollte nicht daran gemessen werden, wie gut er sich an gesellschaftliche Normen anpasst, sondern wie gut er seine individuellen Stärken entfaltet. Die Paralympics haben uns eine Vision von einer Zukunft gegeben, in der Vielfalt gefeiert und als Quelle des Erfolgs anerkannt wird. 

Diese Spiele führten vor Augen, dass Erfolg nicht allein daran gemessen werden sollte, wie perfekt man sich in ein vorgegebenes gesellschaftliches Bild einfügt. Stattdessen geht es darum, wie Menschen Hindernisse überwinden und ihre individuellen Fähigkeiten nutzen. Die Athlet*innen, wie etwa die italienische Fechterin Bebe Vio oder der deutsche Sprintstar David Behre, zeigen, dass körperliche Einschränkungen keine Grenzen setzen – solange es Strukturen gibt, die es ermöglichen, dass jeder sein Potenzial ausschöpfen kann. 

Lass uns sprechen

Du hast Fragen oder möchtest dein Thema persönlich besprechen?
Buche dir jetzt kostenlos einen Termin für einen Video-Call über meinen Kalender.

Du kannst mir auch jederzeit eine E-Mail schreiben an info@gemeinsaminklusiv-thomasspitzer.de
Ich freue mich auf deine Nachricht.

„Kennen Sie auch den Peter“

„Kennen Sie auch den Peter“

„Kennen Sie den Peter?“

Manche Fragen begegnen uns im Leben immer wieder, scheinbar harmlos, oft beiläufig, und doch voller unausgesprochener Annahmen und Vorurteile. Eine dieser Fragen lautet: „Kennen Sie den Peter? Er sitzt auch im Rollstuhl.“ Was für den Fragenden eine höfliche Geste der Verbundenheit oder ein einfacher Versuch sein mag, eine Gemeinsamkeit herzustellen, entpuppt sich für die angesprochene Person oft als tief verwurzeltes Missverständnis über Menschen mit Behinderungen. 

Selbstportrait vor einer Grafiti-Wand

Die unsichtbare Allianz der Rollstuhlfahrer*innen 

Die Idee, dass alle Rollstuhlfahrer*innen sich untereinander kennen, wirkt auf den ersten Blick kurios. Warum sollte es überhaupt so sein? Doch bei näherer Betrachtung offenbart sich, dass diese Vorstellung viel über die Art und Weise verrät, wie Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. 

Diese Annahme geht davon aus, dass alle Rollstuhlfahrerinnen, unabhängig von ihrer Persönlichkeit, ihren Interessen oder ihrem Lebensweg, eine homogene Gruppe bilden. In dieser Vorstellung gibt es nur eine „Gemeinschaft der Rollstuhlfahrerinnen“, die sich durch das gemeinsame Merkmal des Rollstuhlfahrens definiert. Es ist eine einfache, aber bequeme Sichtweise, die der Komplexität menschlicher Beziehungen und Identitäten nicht gerecht wird. 

Die Idee einer unsichtbaren Allianz der Rollstuhlfahrerinnen ist letztlich Ausdruck einer Reduktion. Sie reduziert Menschen auf das Merkmal, das für Außenstehende am offensichtlichsten ist: den Rollstuhl. Dass diese Menschen jedoch ein ebenso reichhaltiges und vielfältiges Leben führen wie alle anderen, wird dabei oft übersehen. Sie haben unterschiedliche Interessen, Berufe, Freundeskreise und Erfahrungen – sie sind in erster Linie Menschen, nicht „Rollstuhlfahrerinnen“. 

Warum das Vorurteil? 

Doch warum hält sich dieses Vorurteil so hartnäckig? Der Ursprung liegt wahrscheinlich in der menschlichen Tendenz, das Unbekannte auf einfache, verständliche Muster zu reduzieren. Der Rollstuhl, als sichtbares Zeichen einer Behinderung, wird zum Symbol, das stellvertretend für die gesamte Person steht. Dieses Phänomen ist nicht auf Behinderungen beschränkt – wir neigen dazu, Menschen in Kategorien einzuordnen, um uns die Welt verständlicher zu machen. 

In vielen Kulturen ist das Leben mit einer Behinderung immer noch mit Unsicherheiten und Unwissenheit behaftet. Viele Menschen haben keine engen Kontakte zu Personen mit Behinderungen und wissen daher wenig über deren Lebensrealitäten. Aus diesem Unwissen heraus entstehen Stereotype und vereinfachte Vorstellungen. Der Rollstuhl wird zum zentralen Merkmal, das alles andere zu überlagern scheint. Die Vielfalt und Individualität der Menschen, die im Rollstuhl sitzen, wird dabei auf ein gemeinsames, oberflächliches Bild reduziert. 

Es ist auch eine Frage der Perspektive. Menschen, die selbst nicht im Rollstuhl sitzen, können sich oft nur schwer vorstellen, wie ein Leben im Rollstuhl aussieht. Sie betrachten die Welt durch ihre eigene Brille und übersehen dabei, dass es viele verschiedene Lebensweisen und -möglichkeiten gibt. Für sie ist der Rollstuhl das herausragendste Merkmal, das eine Person definiert – ähnlich, wie es in anderen Kontexten mit Hautfarbe, Geschlecht oder anderen sichtbaren Merkmalen geschieht. 

Die Gefahr der Schubladen 

Diese Denkweise, Menschen auf ein einziges Merkmal zu reduzieren und sie damit in Schubladen zu stecken, ist problematisch. Sie verhindert, dass wir die Komplexität und Vielfalt des menschlichen Lebens erkennen und wertschätzen. Sie behindert echte Begegnungen auf Augenhöhe und fördert stattdessen Vorurteile und Missverständnisse. 

Stellen wir uns vor, man würde Brillenträgerinnen mit der gleichen Logik begegnen: „Ach, Sie tragen eine Brille? Kennen Sie den Hans? Er trägt auch eine Brille!“ Natürlich klingt das absurd, und doch wird genau diese Logik oft auf Menschen mit Behinderungen angewandt. Dabei sollten wir uns vor Augen führen, dass auch Rollstuhlfahrer*innen in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens aktiv sind – als Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Eltern, Sportleri*nnen, Unternehmer*innen – und dass ihre Behinderung nur ein Aspekt ihrer Identität ist. 

Diese Annahme geht davon aus, dass alle Rollstuhlfahrerinnen, unabhängig von ihrer Persönlichkeit, ihren Interessen oder ihrem Lebensweg, eine homogene Gruppe bilden. In dieser Vorstellung gibt es nur eine „Gemeinschaft der Rollstuhlfahrer*innen“, die sich durch das gemeinsame Merkmal des Rollstuhlfahrens definiert. Es ist eine einfache, aber bequeme Sichtweise, die der Komplexität menschlicher Beziehungen und Identitäten nicht gerecht wird. 

Die Idee einer unsichtbaren Allianz der Rollstuhlfahrer*innen ist letztlich Ausdruck einer Reduktion. Sie reduziert Menschen auf das Merkmal, das für Außenstehende am offensichtlichsten ist: den Rollstuhl. Dass diese Menschen jedoch ein ebenso reichhaltiges und vielfältiges Leben führen wie alle anderen, wird dabei oft übersehen. Sie haben unterschiedliche Interessen, Berufe, Freundeskreise und Erfahrungen – sie sind in erster Linie Menschen, nicht „Rollstuhlfahrer*innen“. 

Der Wert von Geschichten 

Eine Möglichkeit, dieser reduzierenden Denkweise entgegenzuwirken, besteht darin, sich bewusst auf die Geschichten und Lebenswege der Menschen einzulassen, anstatt sie auf ein Merkmal zu reduzieren. Geschichten sind mächtige Werkzeuge, die uns helfen, Verbindungen herzustellen und Empathie zu entwickeln. Indem wir die individuellen Erfahrungen und Erlebnisse anderer Menschen kennenlernen, können wir unsere Vorurteile hinterfragen und abbauen. 

Wenn wir aufhören, Menschen in Schubladen zu stecken, und stattdessen beginnen, ihre persönlichen Geschichten zu hören, lernen wir, sie als die komplexen, vielschichtigen Individuen zu sehen, die sie sind. Eine Geschichte gibt uns Einblicke in die Herausforderungen, Freuden und Erfolge eines Menschen – sie zeigt uns, dass jede*r von uns einzigartig ist, unabhängig davon, ob  im Rollstuhl oder nicht. 

Von der Frage zur Erkenntnis 

Wenn uns das nächste Mal jemand fragt: „Kennen Sie den Peter?“, könnte die Antwort nicht nur lauten: „Vielleicht?“. Aber erzählen Sie mir doch lieber von dem Menschen, die Sie kennen.“ Auf diese Weise öffnen wir den Dialog und lenken den Fokus von den Vorurteilen weg hin zu dem, was wirklich zählt: die Individualität und die Geschichten der Menschen, die uns umgeben. 

Diese Perspektive erlaubt es uns, Vorurteile zu hinterfragen und gleichzeitig unser eigenes Verständnis von Inklusion und Vielfalt zu erweitern. Anstatt Menschen auf eine Eigenschaft zu reduzieren, sollten wir lernen, sie in ihrer Gesamtheit zu sehen und wertzuschätzen. Denn nur so können wir eine Gesellschaft aufbauen, die wirklich inklusiv ist – eine Gesellschaft, in der jede*r unabhängig von physischen Fähigkeiten als vollwertiges Mitglied respektiert und anerkannt wird. 

Dieser Artikel ist ein Plädoyer dafür, die Art und Weise, wie wir über Menschen mit Behinderungen sprechen und denken, kritisch zu hinterfragen. Indem wir uns von Vorurteilen lösen und die Geschichten der Menschen in den Vordergrund stellen, können wir dazu beitragen, eine offenere, empathischere Gesellschaft zu schaffen. 

Stellen wir uns vor, man würde Brillenträgerinnen mit der gleichen Logik begegnen: „Ach, Sie tragen eine Brille? Kennen Sie den Hans? Er trägt auch eine Brille!“ Natürlich klingt das absurd, und doch wird genau diese Logik oft auf Menschen mit Behinderungen angewandt. Dabei sollten wir uns vor Augen führen, dass auch Rollstuhlfahrer*innen in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens aktiv sind – als Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Eltern, Sportleri*nnen, Unternehmer*innen – und dass ihre Behinderung nur ein Aspekt ihrer Identität ist. 

Diese Annahme geht davon aus, dass alle Rollstuhlfahrerinnen, unabhängig von ihrer Persönlichkeit, ihren Interessen oder ihrem Lebensweg, eine homogene Gruppe bilden. In dieser Vorstellung gibt es nur eine „Gemeinschaft der Rollstuhlfahrer*innen“, die sich durch das gemeinsame Merkmal des Rollstuhlfahrens definiert. Es ist eine einfache, aber bequeme Sichtweise, die der Komplexität menschlicher Beziehungen und Identitäten nicht gerecht wird. 

Die Idee einer unsichtbaren Allianz der Rollstuhlfahrer*innen ist letztlich Ausdruck einer Reduktion. Sie reduziert Menschen auf das Merkmal, das für Außenstehende am offensichtlichsten ist: den Rollstuhl. Dass diese Menschen jedoch ein ebenso reichhaltiges und vielfältiges Leben führen wie alle anderen, wird dabei oft übersehen. Sie haben unterschiedliche Interessen, Berufe, Freundeskreise und Erfahrungen – sie sind in erster Linie Menschen, nicht „Rollstuhlfahrer*innen“. 

Lass uns sprechen

Du hast Fragen oder möchtest dein Thema persönlich besprechen?
Buche dir jetzt kostenlos einen Termin für einen Video-Call über meinen Kalender.

Du kannst mir auch jederzeit eine E-Mail schreiben an info@gemeinsaminklusiv-thomasspitzer.de
Ich freue mich auf deine Nachricht.

Musik und Inklusion: Was Unternehmen von der Oper lernen können

Musik und Inklusion: Was Unternehmen von der Oper lernen können

Blick von einem Sitz in einer prunkvollen Oper von oben auf die Bühne.

Musik und Inklusion: Was Unternehmen von der Oper lernen können

Die Klänge der Musik, die Harmonien und Melodien eines Orchesters, spiegeln eine tiefe Wahrheit wider: Vielfalt schafft Schönheit. Diese universelle Lektion findet sich nicht nur in Konzertsälen, sondern auch in den Werten und Praktiken, die erfolgreiche Unternehmen prägen sollten. Was können Unternehmen von der Musik über Inklusion lernen, insbesondere wenn es um die Einbindung von Menschen mit Behinderungen geht?

 

Harmonie durch Vielfalt

In einem Orchester spielt jeder Musikerin eine einzigartige Rolle. Die Violinistin bringt ihren zarten, klaren Klang ein, während der Trompeter mit seinem kraftvollen Spiel Akzente setzt. Die Cellistin fügt tiefere, melancholische Töne hinzu, während die Flötistin mit leichten, fröhlichen Melodien begeistert. Diese Vielfalt schafft eine harmonische Melodie, die weit mehr ist als die Summe ihrer Teile. Ähnlich verhält es sich in Unternehmen: Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten können eine wertvolle Bereicherung darstellen. Insbesondere Menschen mit Behinderungen bringen oft einzigartige Perspektiven und Talente ein, die das Team insgesamt stärken. Diese Vielfalt fördert die Harmonie und das Zusammenspiel im Unternehmen und führt zu innovativen und kreativen Lösungen.

 

Ein junger Mann im Rollstuhl sitzt vor einem Laptop. Eine Frau sitzt rechts von ihm und sie sind im Gepräch

Einzigartigkeit jedes Einzelnen

Jede Musikerin/ jeder Musiker hat seine/ihre eigene Stärke und trägt zur Gesamtleistung bei. Der Pianist kann vielleicht besonders virtuose Läufe spielen, während die Kontrabassistin mit ihrem tiefen, satten Klang das Fundament legt. Genauso bringt jeder Mitarbeiter*in individuelle Fähigkeiten mit, die das Unternehmen voranbringen.

Menschen mit Behinderungen besitzen oft einzigartige Fähigkeiten, die neue Wege eröffnen und innovative Lösungen ermöglichen. Beispielsweise kann ein Mitarbeiter mit einer Sehbehinderung ein außergewöhnliches Hörvermögen haben, das bei bestimmten Aufgaben von großem Vorteil ist. Diese besonderen Fähigkeiten können genutzt werden, um das Unternehmen in neuen und unerwarteten Richtungen zu fördern.

 

Gemeinsames Ziel

Wie in einem Orchester arbeiten alle Mitglieder auf ein gemeinsames Ziel hin: die perfekte Aufführung. Dabei sind nicht nur die individuellen Fähigkeiten der Musikerinnen entscheidend, sondern auch ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Jeder achtet auf den anderen, hört zu und passt sich an, um gemeinsam ein harmonisches Ganzes zu schaffen. In einem Unternehmen sollte das gemeinsame Ziel die Schaffung einer inklusiven und erfolgreichen Arbeitsumgebung sein. Dies bedeutet, dass alle Mitarbeiterinnen – unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Einschränkungen – die Möglichkeit haben sollten, zum Erfolg des Unternehmens beizutragen. Durch die Zusammenarbeit und das Streben nach einem gemeinsamen Ziel kann eine Atmosphäre geschaffen werden, in der sich jede*r Einzelne wertgeschätzt und motiviert fühlt.

Kommunikation und Zusammenarbeit

 Offene und respektvolle Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg eines Orchesters – und ebenso eines Unternehmens. In einem Orchester muss jedes Mitglied auf die anderen hören, um im richtigen Moment einzusetzen und die richtige Dynamik zu treffen. Ähnlich ist es in einem Unternehmen wichtig, dass alle Mitarbeiterinnen offen und respektvoll miteinander kommunizieren. Eine Kultur des gegenseitigen Respekts und der Offenheit fördert die Zusammenarbeit und stärkt das Team. Menschen mit Behinderungen sollten die gleichen Kommunikationsmöglichkeiten und den gleichen Respekt erhalten. Dies kann durch barrierefreie Kommunikationsmittel und Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen erreicht werden. So wird sichergestellt, dass alle Stimmen gehört werden und alle Beitrag leisten können.

 

Innovation durch Improvisation

In der Musik führt Improvisation oft zu überraschend kreativen Ergebnissen. Wenn Musikerinnen improvisieren, verlassen sie die vertrauten Pfade und erkunden neue klangliche Möglichkeiten. Diese Freiheit und Kreativität können auch in Unternehmen genutzt werden. Vielfalt im Team bringt neue, kreative Lösungen hervor. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten können innovative Ansätze entwickeln, die das Unternehmen auf neue Höhen bringen. Beispielsweise können unkonventionelle Denkerinnen neue Märkte erschließen oder bestehende Prozesse verbessern. Durch die Förderung von Vielfalt und Inklusion wird ein Umfeld geschaffen, in dem kreative Ideen gedeihen können.

Die Rolle der Führungskräfte

Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Inklusion in Unternehmen. Wie eine Dirigentin in einem Orchester, müssen sie die Stärken und Fähigkeiten jedes Einzelnen erkennen und fördern. Die Dirigentin sorgt dafür, dass jede Stimme im Orchester zur Geltung kommt und die Musikerinnen ihr volles Potenzial entfalten können. Es ist die Aufgabe der Führungskräfte, eine Umgebung zu schaffen, in der Vielfalt nicht nur toleriert, sondern gefeiert wird. Durch bewusstes Vorleben inklusiver Werte und Praktiken können Führungskräfte ein Klima des Respekts und der Zusammenarbeit etablieren. Sie können Schulungen und Workshops organisieren, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Inklusion zu schärfen, und sicherstellen, dass alle Mitarbeiterinnen die gleichen Chancen haben, sich weiterzuentwickeln.

 

Praktische Schritte zur Inklusion

  • Bewusstseinsbildung und Schulung

Regelmäßige Schulungen und Workshops können das Bewusstsein für die Bedeutung von Inklusion schärfen. Mitarbeiterinnen sollten lernen, wie sie Barrieren abbauen und eine inklusive Kultur fördern können. Diese Schulungen können Themen wie die Sensibilisierung für verschiedene Arten von Behinderungen, den Abbau von Vorurteilen und die Schaffung einer unterstützenden Arbeitsumgebung umfassen. Durch den Austausch von Erfahrungen und das Lernen voneinander kann ein tieferes Verständnis und eine stärkere Zusammenarbeit gefördert werden. Dies schafft nicht nur ein besseres Arbeitsumfeld, sondern steigert auch die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen.

  • Anpassung des Arbeitsplatzes

Die Anpassung von Arbeitsplätzen und -prozessen an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ist ein weiterer wichtiger Schritt. Dies kann durch flexible Arbeitszeiten, barrierefreie Büros und die Bereitstellung von Hilfsmitteln erreicht werden. Barrierefreie Technologien wie Bildschirmleseprogramme, ergonomische Arbeitsplätze oder spezielle Software können Menschen mit Behinderungen helfen, ihre Aufgaben effektiv zu erfüllen. Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, können ebenfalls dazu beitragen, den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Solche Maßnahmen ermöglichen es allen Mitarbeiter*innen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und sich in ihrer Arbeitsumgebung wohlzufühlen.

  • Rekrutierungsstrategien überdenken

Unternehmen sollten ihre Rekrutierungsstrategien überprüfen, um sicherzustellen, dass sie inklusiv sind. Dies bedeutet, dass sie Stellenanzeigen und Auswahlverfahren so gestalten, dass Menschen mit Behinderungen nicht ausgeschlossen werden. Inklusiv gestaltete Stellenanzeigen, die deutlich machen, dass Bewerbungen von Menschen mit Behinderungen willkommen sind, sind ein erster Schritt. Darüber hinaus sollten Auswahlverfahren so gestaltet werden, dass sie die Fähigkeiten und Potenziale der Bewerber*innen fair bewerten, unabhängig von möglichen Behinderungen. Durch die aktive Förderung von Vielfalt in der Belegschaft können Unternehmen von einer breiteren Palette an Talenten profitieren und ihre Innovationskraft stärken.

  • Erfolgsgeschichten teilen

Erfolgsgeschichten von inklusiven Unternehmen können als Inspiration dienen und zeigen, wie Inklusion in der Praxis aussehen kann. Unternehmen, die bereits erfolgreiche Inklusionsstrategien implementiert haben, sollten ihre Erfahrungen teilen. Dies kann durch interne Kommunikation, Veröffentlichungen in Fachzeitschriften oder Präsentationen auf Konferenzen geschehen. Erfolgsgeschichten zeigen, dass Inklusion nicht nur möglich, sondern auch vorteilhaft ist. Sie können andere Unternehmen ermutigen, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen und zu sehen, wie Inklusion zu einem positiven Geschäftsergebnis beitragen kann. Durch den Austausch von Best Practices können Unternehmen voneinander lernen und gemeinsam eine inklusivere Geschäftswelt schaffen.

Die Melodie der Inklusion

Musik lehrt uns, dass jede Stimme zählt und dass wahre Harmonie nur durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Talente erreicht werden kann. Ebenso ist es in der Geschäftswelt: Inklusion ist nicht nur eine ethische Notwendigkeit, sondern auch ein Schlüssel zum Erfolg. Indem wir die Prinzipien der Musik auf unsere Arbeitsplätze anwenden, können wir eine vielfältige und produktive Unternehmenskultur schaffen, die allen zugutekommt. Eine solche Kultur fördert nicht nur das individuelle Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen, sondern trägt auch zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei.

Lasst uns die Harmonie und Kreativität der Musik in unsere Arbeitswelt bringen. Inklusion ist der Schlüssel zu einer vielfältigen und erfolgreichen Unternehmenskultur. Durch das Lernen von der Musik können Unternehmen eine Arbeitsumgebung schaffen, in der jeder Einzelne wertgeschätzt wird und seinenihren Beitrag leisten kann. Indem wir die Stärken und Talente aller Mitarbeiter*innen nutzen und fördern, können wir gemeinsam Großes erreichen und eine nachhaltige, inklusive Zukunft gestalten.

Lass uns sprechen

Du hast Fragen oder möchtest dein Thema persönlich besprechen?
Buche dir jetzt kostenlos einen Termin für einen Video-Call über meinen Kalender.

Du kannst mir auch jederzeit eine E-Mail schreiben an info@gemeinsaminklusiv-thomasspitzer.de
Ich freue mich auf deine Nachricht.

Die Kunst, Umwege zu bewältigen

Die Kunst, Umwege zu bewältigen

Umwege sind nicht unbedingt immer die schöneren Strecken, aber ein Pflänzchen gibt es auf jeden Fall zu pflücken. Irgendeinen Impuls nehmen wir immer auf. Das wusste auch schon H. C. Andersen:

„Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.“ Ich habe im Sommer sein Geburtshaus in Odense/DK besucht und das Zitat hat mich noch einmal erinnert.

Schon aus meiner Kindheit weiß ich, dass der gerade Weg nach Hause (von wo und wie kurz auch immer) so ziemlich das langweiligste ist, was uns einfallen kann. Mich haben immer auch die Nebenstrecken angezogen.  Als Kinder wissen wir, niemand brauchte es uns zu sagen, je häufiger die kleinen Umwege begangen werden, desto verlockender werden sie. Gibst Du mir recht?

Umwege lassen uns wachsen

Als jemand der im Rollstuhl unterwegs ist, gehören Umwege auch heute noch zu meinem Alltag. Ein kaputter Aufzug auf einem Bahnhof, Stufen vor einem Gebäude zum Beispiel bedeutet für mich immer auch Zeit für Umwege einzuplanen. Manchmal bedarf es dabei der Unterstützung Dritter.

Ich richte meine Kommunikation, meine Körpersprache also so aus, um nicht als bedauernswerter „Bittsteller“, Unterstützung ­­– da wo sie notwendig ist ­– einzufordern. Mein #aufrechtsitzen, den ich gerne bei Vorstellungsrunden nutze, hilft mir dabei. Er meint, dass immer da, wo es notwendig ist, um Hilfe einzufordern, ich sowohl auf meine innere als auch meine äußere Haltung achte und immer bei mir bleibe. Auch dann, wenn ich müde und hie und da genervt bin. Gleichzeitig mache ich es meinem Gegenüber leichter. Sowohl durch meine Ansprache und meine Körperhaltung signalisiere ich Klarheit.

Das Leben hält oft Hindernisse bereit, wo wir sie nicht vermuten. Du hast nun die Wahl: Entweder ärgerst Du dich oder Du – mein Tipp ­– legst dir eine Strategie zurecht, wie Du aufgestellte Hürden gut überwinden kannst. Das Leben fordert uns immer wieder aufs Neue heraus.  Aber nicht, wie wir oft unterstellen, aus purer Boshaftigkeit, sondern damit wir uns anstrengen können. Über uns hinauswachsen. Besser werden. Augen und Ohren offenhalten, achtsam bleiben.

 

Ein konkreter Tipp für Dich!

Wenn Du denkst, in einer Sackgasse geraten zu sein, gib nicht gleich auf! Bleibe kreativ beschäftigt, suche dir etwas anderes, dass dich inspiriert und vom Festhängen ablenkt. Leg dir zum Beispiel deine Lieblingsplaylist aufs Ohr oder nimm dein Lieblingsinstrument zur Hand (es kann auch ein Gegenstand sein, mit dem Klänge erzeugt werden können.

Wenn Du noch weitere Übungen kennen lernen möchtest, bist Du herzlich eingeladen, ein Coaching bei mir wahrzunehmen. Ich begleite und unterstütze Dich, solange Du meine Impulse benötigst. Ich freue mich auf Deine E-Mail.

Ich bin immer gut mit folgender Strategie unterwegs: Wenn Du auf dem direkten Weg nicht weiterkommst, nimm einen anderen Weg. Ich konzentriere mich dabei auf die positiven Dinge. „Aha, wieder etwas Neues gelernt!“. Ich wechsele meine Perspektive. Das hält mich gleichzeitig achtsam und zugewandt. Zugegeben, es ist nicht immer einfach und kostet Kraft. Aber ich weiß: Der Umweg lohnt sich!

Umwege erweitern unseren Horizont

So bin ich mit der Zeit zum Experten für Umwege geworden. Anzukommen, im Leben und bei sich selbst, das braucht Zeit und auch die passende Strategie. Eine Strategie, die immer wieder Anpassung erfordert. Für mich manchmal mehr als für andere. Das ist ein Prozess mit vielen Umwegen. Es ist das Leben! Das ist bisweilen mühsam, aber auch unfassbar spannend, oder? 

Es braucht von Zeit einen kleinen Schubs, diesen einen Funken Mut, Kreativität und den kleinen Impuls.

Es ist in Ordnung, Umwege einzuschlagen. Es ist gut, denn es erweitert den Horizont. Sie schärfen unsere Aufmerksamkeit. #aufrechtsitzen.

Wie ich Dich unterstützen kann

Du befindest dich aktuell in einer Situation, bei der Du nicht weiterkommst? Du suchst nach einem Weg? Dir fehlt der entscheidende Impuls, die Brise Selbstsicherheit? Du fühlst zu große Müdigkeit, um kreativ einen Weg zu finden?

Ich lade Dich herzlich zu einem kostenlosen Erstgespräch ein. Wir schauen gemeinsam, wie ich dich unterstützen kann, Kraft zurückzugewinnen. Schreibe mir gerne eine E-Mail

Lass uns sprechen

Du hast Fragen oder möchtest dein Thema persönlich besprechen?
Buche dir jetzt kostenlos einen Termin für einen Video-Call über meinen Kalender.

Du kannst mir auch jederzeit eine E-Mail schreiben an info@gemeinsaminklusiv-thomasspitzer.de
Ich freue mich auf deine Nachricht.